Gedanken-Gänge &-Läufe

Zwei Dinge sind für das Schreiben unabdingbar: zum einen die Zeit zum Nachdenken, das Gedanken laufen lassen, den Gedanken und damit sich selber freien Lauf lassen, altmodisch gesagt Otium, Muße, zum anderen das Selber-Lesen.

Nur wer sich die Zeit nimmt und lässt, um Abstand zu gewinnen, zu dem was ihm durch den Kopf geht, der aus diesem Abstand heraus verschiedene Punkte verbinden kann, die zuvor unverbunden waren, der immer wieder dem Was-wenn-Denken genauso wie der Frage nach dem Warum großen Raum gibt, kann anderes zustande bringen als schablonenhafte Flickschusterei, Hingeworfenem dem man die Geburt aus der Übereiltheit nur allzu deutlich anmerkt. Dieses Zeit nehmen muss zu einer gewohnten, wiederkehrenden Übung werden, um wirken zu können. Für mich habe ich dazu eine Geh- und Laufrunde, die festlegt, auf der ich keine Entscheidungen über die Strecke mehr fällen muss, auf der ich ganz bei mir drinnen sein kann, sofern keine Rudelhundeführer mit kläffenden Meuten mich bedrohen und somit aus den Gedanken reißen.

Die Zeit des Selber-Lesens ist nicht zuletzt Zeit der Fortbildung, die jeder, der ernsthaft Stil-und Sprachschulung betreiben möchte, investieren muss. Schön, wenn das dazu Gelesen dem entspricht, wie man selber gerne zu schreiben wünscht, aber dies wird nur in seltenen Fällen möglich sein. Auch „schlechte“ Bücher können weiterhelfen auf der Suche und bei der Verbesserung des eigenen Stils, weil eben auch das Lernen am negativen Beispiel vor Augen führen kann, wo man auf gar keinen Fall hingelangen möchte, was man auf gar keinen Fall tun möchte. Alle hat eben seinen Sinn … Es ist ebenso wie mit einem Lehrer: besser man hat einen schlechten als gar keinen … Was mein lernendes Lesen anbelangt habe ich meine Haus-Lehrer, allen voran „der große Franz“, Franz Kafka, und, auch wenn aus ganz anderer Richtung kommend, Arno Schmidt. Daneben einige Gegenwärtige wie Martin Walser, Bodo Kirchhoff, Wilhelm Genazino, seit kurzem Tomas Espedal.